Aneuploidiediagnostik in der Interphase
Eine begrenzte Zahl numerischer Chromosomenanomalien kann heute mit großer
Zuverlässigkeit an Interphasezellen (z.B. unkultivierten Amnion- bzw.
Chorionzellen) mit Hilfe der Fluoreszenz in situ Hybridisierung (FISH)
innerhalb kürzester Zeit ausgeschlossen werden. Nachdem der Einsatz dieser
neuen Methode innerhalb des Berufsverbandes Medizinische Genetik und der
Deutschen Gesellschaft für Humangenetik ausführlich diskutiert worden
ist, möchten wir Nutzen und Limitationen des Verfahrens kurz zusammenfassen.
Methode
Bei der FISH-Technik werden chromosomenspezifische, fluoreszenzmarkierte
DNA-Sonden benutzt, die sich auch in Interphasezellen an spezifische
Chromosomenregionen binden. Die Auszählung der je nach Sonde und
verwendetem Fluorochrom verschiedenfarbigen Signale erlaubt es,
die Kopienzahl der untersuchten Chromosomen im Präparat unter dem
Fluoreszenzmikroskop zu bestimmen. Zur Zeit werden in der Routineanwendung
Sonden für die Chromosomen 13, 18, 21, X und Y verwendet. Andere
Chromosomen können bei bestimmten Fragestellungen untersucht werden.
Die Hybridisierung erfolgt an unkultivierten Zellen, so dass ein
Ergebnis in kurzer Zeit vorliegen kann. Bei der Auswertung werden
die Signale für jedes der untersuchten Chromosomen an mindestens
30 Zellen ausgewertet. Zwei Fluoreszenzsignale findet man bei normaler
Kopienzahl des entsprechenden Chromosoms im Zellkern. Drei Signale
einer Sonde in einem hohen Anteil aller untersuchten Zellen sprechen
mit großer Wahrscheinlichkeit für eine Trisomie des betreffenden
Chromosoms.
Indikationen
Schnelle selektive Aneuploidiediagnostik zusätzlich zur konventionellen
Chromosomenuntersuchung, wenn ein rascher Ausschluß der gängigsten
numerischen Chromosomenanomalien angezeigt ist, z.B.:
nach auffälligem Befund im Serumscreening
bei spätem Untersuchungszeitpunkt
nach auffälligem Ultraschallbefund (Einschränkungen s.o.)
Untersuchungsmaterial
Erforderlich ist
eine klare Fruchtwasserprobe von ca. 18 ml. Bei deutlich kleinerer
Fruchtwassermenge führen wir ebenfalls routinemäßig einen pränatalen
Schnelltest durch, um die Dauer der konventionellen Chromosomenuntersuchung
nicht unnötig zu verlängern. Bei Frühamniozentesen wird ein Schnelltest
nicht empfohlen, da die Zellzahl gewöhnlich niedrig ist.
Grenzen des Verfahrens
Der pränatale Schnelltest ersetzt eine konventionelle Chromoso-menuntersuchung
nicht. Entscheidungen, die den Schwangerschaftsverlauf irreversibel beeinflussen, sollten nicht allein
aufgrund einer vorläufigen Diagnose nach
Interphase-FISH getroffen werden. Eine Aussage zur Struktur der untersuchten
Chromosomen ist nicht möglich.
Numerische Anomalien der nicht untersuchten Chromosomen sind nicht ausgeschlossen.
Untersuchungserfolg und diagnostische Sicherheit hängen stark vom Untersuchungsmaterial
ab. Eine Kontamination der Fruchtwasserprobe mit mütterlichem Blut kann
das Ergebnis verfälschen, so dass in dieser Situation bei weiblichem Karyotyp
der Schnelltest nur begrenzt aussagekräftig ist.
Vorteil der Methode
Bei adäquatem Untersuchungsmaterial ist eine rasche Diagnostik ausgewählter
numerischer Chromosomen-anomalien (beispielsweise Trisomie 21) möglich.
Die Entdeckungsrate
numerischer Anomalien der untersuchten Chromosomen ist mit den Sonden
neuer Generation sehr hoch. Das allgemeine Restrisiko für unerkannte
Chromosomenaberrationen nach Durchführung des pränatalen Schnelltests
wird nach einer aktuellen Studie auf etwa 0,6% geschätzt, wenn eine
familiäre Chromosomenaberration ausgeschlossen ist (6).
Dieses Restrisiko
variiert indikationsspezifisch in der Gruppe der Schwangerschaften
mit reinem Altersrisiko (0,5%), mit erhöhtem Risiko für ein Down-Syndrom
nach Serumscreening (1,6%) und nach auffälligem Ultraschallbefund
(2,3%).
Referenzen:
1 . Klinger K, Landes
G, Shook D, Harvey R, Lopez L, Locke P, Lerner T, Osathanondh R,
Leverone B, Houseal T, et al. Rapid detection of chromosome aneuploidies
in uncultured amniocytes by using fluorescence in situ hybridization
(FISH). Am J Hum Genet 51:55-65, 1992
2.Philip J, Bryndorf
T, Christensen B. Prenatal aneuploidy detection in interphase cells
by fluorescence in situ hyPhilip J, Bryndorf T, Christensen B.bridization
(FISH). Prenat Diagn 14:1203-1215, 1994
3. Eiben B, Hammans
W Goebel R, Epplen JT. Die Fluoreszenz-in situ-Hybridisierung (FISH)
an unkultivierten Amnionzellen: Ein neuer Schnelltest zur Diagnostik
von Chromosomenstörungen. Dt. Ärztebl 95: A1304-1306 (Heft
21), 1998
4. Gesellschaft für
Humangenetik. Grundlagen und Bewertung des pränatalen
Schnelltest (FISH) an unkultivierten Fruchtwasserzellen im
2. Trimenon. Medizinische Genetik 2, 1998
5. Eiben B, Trawicki
W, Hammans W, Goebel R, Pruggmayer
M, Epplen JT. Rapid prenatal diagnosis of aneuploidies
in uncul- tured amniocytes by fluorescense in situ hybridization.
Evaluation of > 3.000 cases. Fetal Diagn Ther. 14 (4): Jul-Aug
193-197, 1999
6. Pergament E, Chen
PX, Thangavelu M, Fiddler M. The clinical application of interphase
FISH in prenatal diagnosis. Prenat Diagn 20:215-220, 2000
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