|
Die Nackentransparenz (nuchal translucency, NT) resultiert aus einer
subkutanen Flüssigkeitsansammlung im Bereich des fetalen Nackens,
welche bei nahezu allen Feten sonographisch darstellbar ist. Die
Ausdehnung der NT nimmt zwischen der 10.-14. SSW kontinuierlich
zu (ca. 0.5 mm). Im Verlauf des II. Trimesters ist die NT meist
nicht mehr darstellbar. Während die NT eine Struktur darstellt,
deren pathophysiologische Relevanz von ihrer Ausprägung abhängt,
stellen zystische Hygrome und "dorso-nuchale Ödeme"
immer einen pathologischen Befund dar.
Zystische Hygrome
sind in etwa 75% der Fälle mit chromosomalen Aberrationen (95%
Monosomie X) assoziiert(1). Nuchale Ödeme haben eine unterschiedliche
Ätiologie (1/3 der Fälle chromosomale Aberrationen, daneben
cardiovaskuläre und pulmonale Defekte, Infektionen etc.)(2).
In den frühen
1990er Jahren wurde in einer Reihe kleinerer Studien an Risikokollektiven
auf einen möglichen Zusammenhang zwischen erweiterter NT und
chromosomalen Aberrationen im ersten Trimester aufmerksam gemacht,
d.h. je grö¤er die NT, desto höher das Risiko für
Trisomie 21(3,4,5,6). Die gefundene Prävalenz chromosomaler
Defekte war jedoch sehr unterschiedlich (11-88%), was einerseits
auf Unterschiede der maternalen Altersverteilungen und andererseits
auf der unterschiedlichen Definition der cut-off Werte (2-10mm)
beruhte. Ein wichtiges Ergebnis der Studien war jedoch, dass die
Prävalenz chromosomaler Aberrationen unabhängig voneinander
sowohl von der NT-Dicke als auch vom maternalen Alter abhängig
ist(7).
Die Ergebnisse weiterer
Studien, in welchen eine mögliche Implementierung der NT-Messung
in die Routine-Schwangerenvorsorge untersucht wurde, lassen sich
wie folgt zusammenfassen:
(1) eine erfolgreiche
NT-Messung im ersten Trimester während einer Routineuntersuchung
ist in 96-100% möglich, (2) es müssen einheitliche Regeln
der NT-Messung eingehalten werden(8,9).
Das stringenteste
Konzept methodischer Fortbildung und Zertifizierung bei kontinuierlicher
Qualitätssicherung verfolgt die "Fetal Medicine Foundation".
Dieses ist mittlerweile in 43 Ländern verbreitet und internationaler
Standard(10).
Messung der Nackentransparenz:
Voraussetzung für eine exakte NT-Messung ist ein ausreichend
auflösendes Ultraschallgerät mit cine-loop-Vorrichtung
sowie die Möglichkeit, im 0,1mm Bereich messen zu können.

Abb.1
Um einheitliche Resultate zu erhalten, ist es essentiell, gleiche
Kriterien(10) zu verwenden:
(1) Die minimale
Scheitel-Steiss-Länge (SSL) darf 45·mm nicht unterschreiten,
die maximale SSL 84·mm nicht überschreiten. Das optimale
Gestationsalter liegt zwischen 10 + 0. und 13 + 6. SSW.
(2) Die Ergebnisse von vaginalem und transabdominalem Vorgehen sind
vergleichbar. Die höhere Reproduzierbarkeit scheint durch das
vaginale Vorgehen erreichbar zu sein(11).
(3) Es soll ein optimaler Sagittalschnitt zur Messung der SSL erzeugt
werden.
(4) Die Vergrö¤erung soll so eingestellt werden, dass
der Fet 3/4 des Bildes einnimmt (Abb. 1).
(5) Es muss sicher zwischen fetaler Haut und Amnion unterschieden
werden. Beide Strukturen erscheinen als dünne Membranen. Es
ist hilfreich, auf fetale Bewegungen zu warten oder den Feten durch leichte Stöße zur Bewegung anzuregen.
(6) Es soll die maximale Weite der NT zwischen Haut und dem die
Halswirbelsäule bedeckenden Gewebe mehrfach gemessen werden,
wobei die Calliper jeweils die innere Grenze kennzeichnen (innen-innen).
Der größte Wert wird notiert (Abb. 2).
(7) Der Fet soll sich in einer neutralen Position befinden. Bei
Dorsal-/Ventralflexion können die Werte um 0,6/0,4mm erhöht/verringert
sein(12).
Abb.2
Die Fähigkeit, reproduzierbare Ergebnisse
bei der NT-Messung zu erzielen, hängt von der Motivation des
Untersuchers ab und steigt mit dem Training. Gute Ergebnisse werden
nach 80-100 Untersuchungen erzielt(13).
Referenzen:
(1) Azar G
et al.,Fetal Diagn Ther,1991:46
(2) Nocolaides KH et al.,Fetal Diagn Ther,1992:123
(3) Johnson MP et al.,Am J Obstet Gynecol,1993:156
(4) Wilson RD et al.,Prenat Diagn,1992:755
(5) Schulte-Vallentin M et al.,Lancet,1992:1053
(6) Suchet IB et al.,Can Assoc Radiol J,1992:420
(7) Pandy PP et al.,Ultrasound Obstet Gynecol,1995:15
(8) Kornman LH et al.,Prenat Diagn,1996:797
(9) Taipale P et al.,N Engl J Med,1997:1654
(10) Nicolaides K,Sebire N,Snijders JM,The 11-14 week scan - The
diagnosis of fetal abnormalities. Parthenon Publishing, New York,
London,1999
(11) Braithwait JM et al.,Br J Radiol,1995:720
(12) Whitlow BJ et al.,Br J Obstet Gynaecol,1998:872
(13) Braithwait et al.,Ultrasound Obstet Gynecol,1996:192
|